Jean Lebrun

  • 31. Juli 2014
    Par Jean Lebrun
    SUMMER READING <BR />"NOTRE CHANEL" VON JEAN LEBRUN

    SUMMER READING
    "NOTRE CHANEL" VON JEAN LEBRUN

    In der Geschichte der Mode gibt es Persönlichkeiten, über die man alles erfahren kann – Jean Patou zum Beispiel, der früh verstorben ist und über den in den Archiven alles erhalten, sorgfältig sortiert und kommuniziert wurde. Emmanuelle Polle hat sie durchgearbeitet und 2013 das Wichtigste zusammengefasst – in einem einzigen Buch.

    Die Legende besagt, dass Patou und Chanel es zu Lebzeiten nicht ertragen haben, sich in ein und demselben Raum aufzuhalten. Aus geschichtlicher Hinsicht muss man der Legende einmal mehr Recht geben. Chanel gehört nicht derselben Spezies an wie Patou. Sie hat viele Spuren hinterlassen, aber wenige schriftliche Quellen. Sie selbst verlor sich in ihrem Labyrinth aus ständig neu erschaffenen Erinnerungen, was zur Folge hat, dass nun möglicherweise das 85. Buch über sie veröffentlicht wurde. Und je mehr es gibt, je häufiger sich das Foto bewegt, desto weniger greifbar ist diese Person.

    Daher das Projekt „Notre Chanel“, das versucht, diese Schwierigkeit zu umgehen, indem es erzählt, was Gabrielle zwei Männern bedeutet hat, Bernard und Jean, die vor beinahe einem Viertel Jahrhundert Nachforschungen über sie anstellten. Seitdem ist einer gestorben, der andere hat weitergemacht, aber so, dass daraus keine weitere überflüssige Biographie entstanden ist. Dieses Buch ist eher wie ein Kirchenfenster – ein laterales Kirchenfenster – wo Bernard und Jean an der Stelle, an der die Personen aufgeführt sind, die zur Entstehung des Buches beigetragen haben, voller Bewunderung die Person betrachten, die sie zusammengebracht hat, für eine Aufgabe, die niemals fertiggestellt wurde. Ein Kirchenfenster, das Gabrielle sicherlich nicht als Heilige darstellt, aber vielleicht wie eine Fee: Ein Lichtstrahl ihres Ruhmes fällt plötzlich auf Bernard, den früh Verstorbenen, und er, der Vergessene, bekommt dafür, dass er ihre Spur aufgenommen hat, ein bisschen ab vom Glanz.

     

    "Notre Chanel", Jean Lebrun, Bleu autour.